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Augen, und mit dem heimlichen Ausreißen war es ein- für allemal
vorbei.
Dies Jahr durfte sie nicht einmal mit den Brüdern zum
Schlittschuhlaufen. Wehmütig sah sie an Winternachmittagen in den
beschneiten Garten hinaus und dachte an ihre unglückliche Liebe -
jetzt war er wohl auf dem Eis, und ihr war jede Möglichkeit
abgeschnitten, ihn auch nur zu sehen. Die Sehnsucht wurde immer
brennender, sie zitterte und wurde rot, wenn Erik zufällig seinen
Namen nannte. Die gärende Unruhe, die sie in sich fühlte, machte
sich manchmal in überlauter Lustigkeit Luft und häufiger noch in
wilden Wutausbrüchen.
Ellen fand auch, daß man sie namenlos reizte. Von früh bis spät
fuhr die Mutter sie an, jeder Blick sagte: Wozu bist du überhaupt auf
der Welt?
Und an Heftigkeit gab Ellen ihr nichts nach. Eine Zeitlang hörte sie
schweigend zu, biß die Zähne zusammen, daß sie knirschten, dann
stürzte sie hinaus und schlug die Tür zu. Mama war hinter ihr her,
ehe sie sich's versah. Plötzlich hatte sie die zornig flammenden
Augen dicht vor sich, fühlte einen brennenden Schlag im Gesicht:
Geh mir aus den Augen, ich hab's satt, mich mit dir zu quälen.
War sie dann allein im Zimmer, so wußte sie nicht, wo hinaus mit
der Wut, die in ihr tobte, wußte nicht mehr, was sie tat. Dann rannte
sie mit dem Kopf gegen die Wände, bis ihr die Funken vor den
Augen sprühten und der Schmerz sie wieder zur Besinnung
brachte.
An solchen Tagen mußte sie oben bleiben und durfte sich nicht
mehr vor der Mutter blicken lassen. Da lag sie dann auf dem Bett
und spann endlose Pläne. Wieder und wieder malte sie sich aus,
wenn sie nur erst erwachsen wäre und von zu Hause fort könnte.
Die Zirkusgedanken hatte sie jetzt allmählich aufgegeben, es war
doch wohl zu spät geworden. Aber das stand ihr immer noch fest,
irgendwann einmal mußte sie sich freimachen von diesem
unerträglichen Leben und in die Welt hinaus, in die unbekannte
verheißungsvolle Welt.
An einem Sonntagmorgen, als Ellen zum Frühstück hinunterkam,
las Mama gerade einen Brief.
Nun ist alles in Ordnung, sagte sie und legte ihn neben ihren
Teller. Du kommst Ostern in die Pension nach A
, Ellen.
Ellen nahm diese Nachricht mit dumpfer Gleichgültigkeit hin. Von
der Pension war schon oft die Rede gewesen, aber sie hatte bisher
nie recht daran geglaubt.
Es waren nur noch wenige Wochen bis Ostern. Sie machte ihrer
Umgebung die letzte Zeit noch so schwer wie möglich. Nur mit
Detlev allein war es anders, da taute ihr ganzer Schmerz auf, daß
sie fort sollte, von ihm und von der Heimat. Die beiden waren noch
nie einen Tag getrennt gewesen, hatten jedes Erlebnis, jede
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