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Der Sturm der letzten Tage hat nachgelassen; ich ging am See hin
gegen Abend, und es kam wieder eine etwas mildere Stimmung
über mich. Alles war so still: auf der einen Seite das weite,
dämmernde Land mit seinen weißen Obstbäumen und zur andern
die blauen, verschwimmenden Ufer. Und doch immer wieder die
Gedanken, die nicht weichen wollen -: wenn nun auch das Kind mir
wieder genommen würde, oder ich selbst sterben müßte und es
zurücklassen. Wäre es denn nicht besser, jetzt noch freiwillig
hinabzugehen und es mit mir zu nehmen? Manchmal ist mir, als ob
ich hellsehend wäre und wüßte, daß es so kommen muß. Und wie
eine Melodie, die mich nicht losläßt, klingt es in mir bei jedem
Schritt: nur sterben, nur sterben. Ich horche in ewiger Todesangst
darauf, ob das Kind sich regt in mir, und wenn ich es nur eine
Stunde lang nicht fühle, dann glaube ich, nun ist alles vorbei und wir
sind beide verloren.
Sonntagnachmittag
Der Anblick von Menschen macht mich krank, und heute kommen
sie scharenweis hier heraus. Mir wird dann, als ob ich von Gefahren
umringt wäre, mich verteidigen müßte, wenn ich nur ein fremdes
Gesicht sehe.
So habe ich mich in mein Zimmer geflüchtet- am offenen Fenster
mit dem weiten Blick in sommerliches Grün. Ich sehe auf den
langen, gewundenen Weg zwischen den Bäumen und denke daran
-, wenn jetzt auf diesem Weg jemand zu mir herkäme und mich aus
meiner einsamen Angst erlöste.
Gegen Abend das Boot losgemacht und weit auf den See
hinausgefahren, jetzt wieder oben - der Sonntagslärm schallt zu mir
herauf, und da draußen die blütenweiße Sommernacht. Wenn man
nur schlafen könnte, eine einzige Nacht ruhig schlafen.
So kann es nicht weitergehen, oder ich treibe dem Wahnsinn zu -
ich weiß es, fühle es, wie er mich immer mehr umfängt. Nur selten
kommt eine klare Stunde wie jetzt, wo ich mir sage, daß das alles
krankhaft ist - körperlich. Aber wenn ich es mir Tag und Nacht
vorsagen wollte, es hilft nichts, es ist da, weicht nicht von mir. - Den
ganzen Tag stehen mir die Augen voller Tränen, und meine Stimme
versagt bei den gleichgültigsten Worten.
Ich kann nicht mehr auf den See fahren, nicht mehr ans Ufer gehen,
ich fürchte mich vor dem Wasser -, daß ich auf einmal die
Besinnung verlieren und mich da hineinwerfen könnte, in die Tiefe,
die nach mir ruft.
Nein, ich muß mich retten vor diesem Ruf, sonst verschlingt es mich
- mich und mein Kind.
München, Juli
Aus einer langen Nacht bin ich zurückgekehrt - war es nicht schon,
als ob schwarze Totenhände mich umklammert hielten, sich immer
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