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halten konnte. Trotz der zwei Jahre, die zwischen ihnen lagen,
waren sie fast gleich groß, beide mit kurzem, blondem Haar und
den scharfen Olestjerneschen Familienzügen. Ellen war im Lauf der
Jahre kräftig und gesund geworden und stolz darauf, daß sie es mit
jedem gleichaltrigen Jungen aufnehmen konnte.
Es war Bundestag heute, und sie ratschlagten gewaltige Pläne,
gingen ernst prüfend umher und maßen die Schlucht mit den
Augen. Dann wurde Geerd das Wort zuerteilt, und er schwang sich
in einen Baum, um seiner Rede mehr Nachdruck zu verleihen:
Bundesgenossen, hier wollen wir unser Reich gründen - unser
Königtum -, von hier aus soll es wachsen, sich ausbreiten und die
Nebenreiche verschlingen, wo jetzt noch unsere Feindin, die
grimme Fürstin Anna Juliane, herrscht. Wir wollen sie entthronen
und uns zinsbar machen.
Die beiden andern stimmten ein furchtbares Kriegsgeheul an und
schwangen ihre hölzernen Speere.
Von früh bis spät waren sie jetzt draußen an der Arbeit, rammten
Pfähle in die Erde, schleppten Tannenzweige und Moos herbei und
bauten Hütten. Mit vieler Mühe hatten sie sich die Erlaubnis
errungen. Die Mutter wollte erst nichts davon wissen, aber Detlev
hörte nicht auf, sie zu bestürmen, und schließlich erfuhr der Vater
von der Sache und kam ihnen zu Hilfe. Er nahm sogar lebhaftes
Interesse daran und ging selbst mit hinaus, um ihnen die Grenzen
ihres Gebietes anzuweisen.
Das Königreich wuchs nun rasch empor, es wurden Straßen gelegt,
Felder und Bauplätze abgemessen. Auf dem freien Platz in der
Mitte erhob sich eine große Hütte aus Brettern und Backsteinen,
das war der Tempel, denn sie hatten sich heimlich vom Christentum
losgesagt und eine neue Religion erdacht. Im Tempel stand die
Bundeslade, in der geraubte Schätze verborgen wurden, und ein
unförmlicher Götze aus Holz, den hatten sie selbst in vielen
mühsamen Stunden geschnitzt und angemalt. Er hieß der Mohu
und wurde mit Opfern, Gesängen und wilden Tänzen gefeiert.
Vier Wochen lang hatten sie unermüdlich geschafft, da kam
plötzlich ein Blitz aus heiterem Himmel - Ellen und Detlev wurden
eines Morgens zu Mama gerufen: im Wohnzimmer saß eine blasse
Dame mit schwarzem, glattem Haar. Die Geschwister sahen sich
erschrocken an, das konnte nur die neue Gouvernante sein, an die
sie schon längst nicht mehr geglaubt hatten. Sie mußten ihr guten
Tag sagen und erfuhren, daß sie Cläre Huhn hieß; darüber wären
sie beinah ins Lachen geraten und vermieden ängstlich, sich
anzusehen. Fräulein Huhn war sehr freundlich und hatte feuchtkalte
Hände.
Nicht wahr, wir wollen jetzt recht fleißig zusammen sein? Ihr müßt
mich aber auch etwas lieb haben und mich du nennen.
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