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Im Juli kam Reinhard, und sie machten zusammen eine weite
Fußwanderung nach Tirol hinein. Die Sommersonne leuchtete, und
jeder Tag war eine lange strahlende Zeit. Ellen schien keine
Ermüdung zu kennen, und so lachend heiter hatte er sie selbst in
der alten Zeit nie gesehen, sie schien jeden Sonnenstrahl in sich
aufzunehmen. Nur von Zukunftsplänen sprach sie nicht mehr, vom
Malen, von ihrer Gesundheit, ging alledem förmlich aus dem Wege.
Es war nur ein Gedanke in ihr: diese wenigen Wochen noch
mitsammen glücklich sein, - dann mußte alles zerbrechen. Und alles
Glück, alles Frohe und Schöne, alle tiefste und letzte Freude, was
andere während eines ganzen Lebens bedächtig zu sich nehmen,
Zug auf Zug, das sollte er jetzt auf einmal leeren und mit ihr. Sie
hielt ihm den Becher an die Lippen und er trank und trank. Und
wenn der Becher leer war, wollte sie ihm sagen: Jetzt ist es vorbei!
Aber bis dieser Augenblick kam, sollte nichts die langen
Sommertage trüben.
Hier und da blieben sie länger an einem Ort, der sie besonders
anzog, und in diesen Ruhetagen kam es oft zu langen Gesprächen
wie früher daheim, wenn Reinhard an seinem Schreibtisch saß und
Ellen in der halbdunklen Ecke auf dem Diwan lag. Dann schien es
ihm manchmal, als ob ihre Frohheit sich auf Augenblicke
verdunkelte, und es durchfuhr ihn plötzlich: sollte nicht irgendeine
geheime Angst hinter alledem stecken? Vielleicht fürchtete sie,
wieder krank zu werden wie im letzten Winter, nicht arbeiten zu
können...
Und Ellen konnte dann so seltsam sein und seltsame Sachen
reden, fast wie im Fieber.
Wenn nun mit einemmal alles vorbei wäre, Reinhard - könntest du
das ertragen?
Ertragen - ich weiß nicht. Aber was sollte denn vorbei sein?
Solange wir uns haben, gehört uns das Leben, das hab' ich noch
nie so gefühlt wie jetzt, und du auch, glaube ich.
Ja - aber wir wissen doch nie, was kommen kann. - Sieh mal, es
gibt doch so etwas wie Schicksal, was die Menschen
voneinanderreißen kann - gerade so, wie es uns beide
zusammengeworfen hat. Wie kann man das wissen? - wenn nun
einer von uns sich in jemand anderen verliebte. - Ob du es zum
Beispiel begreifen würdest, wenn ich einmal etwas ganz
Wahnsinniges täte - von dir ginge.
Warum sprichst du so sonderbar, Kind? Willst du mir etwa
fortlaufen? Wenn du es tätest, müßte es doch einen Grund haben,
und wenn deine Liebe aufhörte, würde ich dich niemals halten
wollen.
Nein, so meinte ich es nicht - ich glaube, das, was zwischen uns
beiden ist - wie ich dich liebe - gerade dich, das kann nie zu Ende
sein, wenigstens könnte das nie einem anderen Menschen
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