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Ellen stand vor ihrem Tisch, sie fand alles, was sie sich wünschte,
und dazu noch ein Buch, das Kai gehört hatte. Mama kam und
küßte sie.
Freust du dich, mein Kind - das ist ein Andenken an Kai - ihr müßt
ihn nie vergessen.
Mama sah verweint aus. Es war selten, daß sie so gut mit Ellen
sprach, und Ellen hätte sich für sie kreuzigen lassen in diesem
Augenblick. Das Herz wurde ihr voll von Weihnachtsseligkeit, am
liebsten hätte sie laut geweint.
Neujahr war sie wieder in der Kirche. Neben dem Altar brannten
noch einmal die Christbäume, und der Propst redete, aber diesmal
war es nicht der wundergläubige Festjubel, den er verkündete,
sondern ernste, beinahe drohende Worte von Sterben und
Vergehen, von der kurzen Gnadenfrist, die dem Menschen gegeben
ist, um sich zu bessern.
Ellen faßte tausend gute Vorsätze, sie wollte von nun an jeden Tag
beten und so vollkommen werden, daß niemand mehr über sie
schelten konnte. Auf ihren früheren Bundesgenossen, den Teufel,
blickte sie jetzt mit großer Verachtung herab - er hatte ihr ja nicht
einmal geholfen; aber sie fürchtete sich auch nicht mehr vor ihm. Er
konnte ihr nichts mehr anhaben, wenn sie betete; Gott war
mächtiger.
Eine Zeitlang strengte sie sich nun wirklich an und betete mit
großem Eifer, aber es war so schwer, man fiel doch immer wieder in
Sünde.
Gegen Ostern ging Fräulein Anna fort, um eine Stellung im Ausland
anzunehmen. Die beiden Kleinen hatten lange Ferien, während die
Mutter eine neue Lehrerin suchte. Allmählich fingen sie an zu
hoffen, es würde sich überhaupt keine finden, und sie hatten jetzt so
viel andere Dinge im Kopf, daß sie ihre Freiheit sehr gut brauchen
konnten.
Eine Jugendbekannte der Baronin Olestjerne hatte ihren Sohn
drunten in der Stadt zur Schule gegeben, und dieser schmächtige,
schwarzäugige Junge, der Geerd hieß, war ein großes Ereignis im
Leben der beiden Geschwister. Sie hatten jetzt einen Freund, den
sie mit wetteifernder Leidenschaft liebten und in ihre Geheimnisse
einweihten, in alles Verbotene und Verlockende: wie man das
verrostete Türschloß zum Turm und zum alten Gefängnis
aufbrachte, oder durch eine Luke vom Garten aus in die dunkeln,
gewölbten Keller einstieg - in alle verstohlenen Winkel von Schloß
und Garten, von denen sie Besitz ergriffen hatten und jeder seinen
Namen und seine Geschichte besaß. Geerd war entzückt von
alledem, die drei Kinder schlossen sich immer feuriger zusammen
und kamen schließlich auf die Idee, ihre Freundschaft durch einen
Blutbund zu besiegeln.
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