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Ellen Olestjerne
Erster Teil
Schloß Nevershuus lag grau und schwerfällig unter hohen Bäumen
mit seinen breiten Seitenflügeln und dem viereckigen Turm, der
kaum das Dach überragte. Aber von seiner Plattform aus konnte
man weit über Meer und Heide sehen und auf die kleine
Küstenstadt hinunter, die sich zwischen Deichen und grünen
Wiesen hinzog.
In früheren Zeiten sollte es einmal irgendeiner schlimmen Fürstin
als Witwensitz gedient haben - von daher stammten wohl die
altersschwarzen Ölbilder droben im Rittersaal und allerhand
Spukgeschichten, die immer noch im Volksmund fortlebten,
obgleich das Gut jetzt schon lange im Besitz der Familie Olestjerne
war und die gemalten Damen mit ihren feierlichen Mienen auf die
Schicksale und das Treiben einer anderen Zeit herabsahen.
Es konnte immer noch einen melancholisch unheimlichen Eindruck
machen, das alte Schloß, wenn die Herbststürme durch alle Kamine
heulten wie geängstigte arme Seelen, oder wenn der Nebel vom
Meer heraufstieg und alles in seine wogenden grauen Schleier
einhüllte. Aber es hatte auch seinen Frühling und seinen Sommer,
wo die Sonne alles Düstere aus den weiten hohen Räumen
herausleuchtete, wo der reiche grüne Garten um die grauen Mauern
blühte und drüben in der Ferne das Meer blau und schimmernd
dalag.
Für die Bewohner von Nevershuus ging die schöne Jahreszeit
ebenso still und gleichförmig hin wie der Winter. Der Gutsherr
Christian Olestjerne war meist draußen im Felde oder auf der Jagd,
und seine Frau saß mit ihrer ältesten Tochter am Steintisch unter
den Buchen, wenn sie nicht in Küche und Vorratskammern zu tun
hatten. Die Freifrau Anna Juliane war eine schöne, stattliche Frau
mit raschen, dunklen. Augen und eiserner Tatkraft - von früh bis
spät auf den Beinen, um überall nach dem Rechten zu sehen. Aber
dabei hatte sie nichts Leichtes in ihrer Art, das Leben zu nehmen,
es türmte sich alles vor ihr auf wie ein Berg, über den sie nie
hinaussehen konnte - die Wirtschaft, der große Haushalt, die
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